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Endlich: Schmerzmedizin wird Pflichtfach

Deutsche Schmerzgesellschaft feiert Erfolg für Patienten und Ärzte

Die Schmerzmedizin wird verbindliches Prüfungsfach für alle angehenden Ärzte. Der Bundesrat gab am Freitag (11.5.) grünes Licht für diese Änderung der Approbationsordnung, die damit um einen Querschnittsbereich 14 ergänzt wird. „Diese Änderung ist für uns und vor allem für die von Schmerz betroffenen Patienten eine sehr gute Nachricht“, freut sich Prof. Dr. Wolfgang Koppert, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft. „Sie ist das Resultat eines über viele Jahre andauernden Bemühens der Deutschen Schmerzgesellschaft – damals noch DGSS – bereits im Studium strukturierte Wissensinhalte zum Thema Schmerz fest zu verankern.“

Versorgung Schmerzkranker wird sich deutlich verbessern

Geschätzte 17 Prozent aller Deutschen leiden unter chronischen Schmerzen, die nicht nur die Patienten teils erheblich einschränken, sondern die Sozialkassen auch mit rund 25 Milliarden Euro jährlich belasten. Ein großer Teil des Leids und der Kosten würden sich vermeiden lassen, würden Ärzte besser in Schmerzmedizin ausgebildet. Denn rechtzeitig richtig behandelt, muss aus einem akuten Schmerz kein chronischer werden. „Die Änderung der Approbationsordnung wird mittelfristig zu einer deutlichen Verbesserung der schmerztherapeutischen Versorgung der Patienten führen, weil zu einem früheren Zeitpunkt die richtigen Weichen in der Behandlung insbesondere chronisch schmerzkranker Patienten gestellt werden können“, ist Dr. Andreas Kopf (Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums der Charité, Campus Benjamin Franklin, und federführend beteiligt an der Entwicklung des Kerncurriculums Schmerztherapie der Schmerzgesellschaft) sicher.

Wunsch der Studierenden nach mehr Wissen

Darüber hinaus entspricht die Änderung in besonderem Maße dem Wunsch vieler Studierender nach mehr Wissensvermittlung auf diesem zentralen Gebiet der Medizin. Ein erster Schritt in diese Richtung war das Kerncurriculum Schmerztherapie der Deutschen Schmerzgesellschaft, das die wichtigsten Informationen zum Thema in 14 Unterrichtsstunden vermittelt. Es ist seit 2008 in etwa zwei Dritteln der Medizinischen Fakultäten in Deutschland im Einsatz und wird derzeit aufgrund der Erfahrungen revidiert. „Etwa drei Viertel der Fakultäten lehren Schmerztherapie in irgendeiner Form. Aber erst durch die Änderung der Approbationsordnung wird die Schmerzmedizin zum verbindlichen Prüfungsfach und erlangt das erforderliche Gewicht“, so Prof. Koppert. Ermöglicht wurde dieser Erfolg jetzt nicht zuletzt durch die sehr enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).

Ansprechpartner
Prof Dr. med. Wolfgang Koppert, M.A., Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover, Tel. 0511/5322388, E-Mail: Koppert.Wolfgang@mh-hannover.de

LUSI - Lungenkrebs früh entdecken

Heilungschancen dieser Tumorerkrankung verbessern

Mit einer großen Studie untersuchen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum, wie gut die Mehrschicht-Computertomographie geeignet ist, Lungenkrebs in einem sehr frühen und damit noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen. Nun liegen erste Zahlen der gemeinschaftlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Dietmar Hopp Stiftung finanzierten Untersuchung vor: 80 Prozent der Krebsfälle wurden in einem frühen klinischen Stadium entdeckt, Aussagen über eine verringerte Sterblichkeit sind jedoch noch nicht möglich.

Rund 290.000 Menschen aus Heidelberg, Mannheim, Ludwighafen, dem Rhein-Neckar- sowie dem Neckar-Odenwald-Kreis erhielten zwischen 2007 und 2011 Post vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Angeschriebenen wurden nach ihren Rauchgewohnheiten befragt. Das Ziel war es, 4.000 Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren als Teilnehmer für "LUSI" zu gewinnen. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die German Lung Cancer Screening Intervention-Studie.

Ziel der vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Zusammenarbeit mit der Thoraxklinik Heidelberg geleiteten und in eine europäische Kooperation eingebundenen Untersuchung ist es, die Methoden für eine frühzeitige Diagnose von Lungenkrebs und damit die Heilungschancen dieser Tumorerkrankung zu verbessern. Lungenkrebs ist die führende Krebstodesursache, da die Diagnose meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt wird. "Dadurch sterben 85 bis 90 Prozent der Patienten im Laufe von fünf Jahren nach der Diagnose", erläutert Studienleiter Professor Nikolaus Becker, Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum. Wird die Erkrankung dagegen frühzeitig entdeckt, können bis zu 70 Prozent der Betroffenen mindestens fünf Jahre überleben.

Allen Teilnehmern wurde zu Beginn eine Blutprobe entnommen. Eine - zufällig ausgewählte - Hälfte der Teilnehmer unterzog sich einem Lungenfunktionstest sowie einer Niedrigdosis-Mehrschicht-Computertomographie (MSCT). Diese Untersuchungen werden im Abstand von jeweils zwölf Monaten insgesamt fünf Mal durchgeführt. Die MSCT liefert trotz geringer Strahlendosis aussagekräftige Bilder.

Die erste Untersuchungsrunde erbrachte bei den 2029 Teilnehmern der Interventions-Gruppe 1488 unauffällige sowie 540 verdächtige Befunde, die in 31 Fällen durch Biopsien abgeklärt wurden. Dabei entdeckten die Ärzte in 22 Fällen Lungenkrebs. Mit der MSCT wurden über 80 Prozent der Krebsfälle in einem frühen Stadium (I oder II) entdeckt - im Gegensatz zur klinischen Situation, wo die Mehrheit der Lungenkrebserkrankungen bereits Symptome verursacht und erst im Stadium IV diagnostiziert wird. Dem gegenüber steht jedoch, dass 25 Prozent der Untersuchten zunächst einen abklärungsbedürftigen Befund erhielten, der sich in der überwiegenden Mehrzahl als harmlos erwies. "Angesichts der großen Ängste, die ein so schwerwiegender Verdacht auslöst und der damit verbundenen teilweise invasiven Diagnostik ist das eindeutig zu viel für eine Routinemaßnahme", sagt Becker.

Außerdem prüfen die Forscher nun, ob die MSCT möglicherweise nicht alle Arten von Lungenkrebs gleich gut erkennt. "Im Vergleich mit den Lungenkrebsfällen, die aufgrund einer Symptomatik diagnostiziert werden, fällt auf, dass wir mit LUSI überproportional viele Adenokarzinome entdecken, Plattenepithel- und kleinzellige Karzinome jedoch unterrepräsentiert sind", sagt Professor Stefan Delorme, der leitende Radiologe der Studie.

Die Ergebnisse ähnlicher Untersuchungen in den USA weisen bereits darauf hin, dass ein Screening von Hochrisikogruppen die Lungenkrebs-Sterblichkeit senken kann. "Für LUSI und die europäischen Partner ist es noch zu früh, eine solche Aussage zu treffen", erklärt Nikolaus Becker. "Aber auch jetzt ist schon klar, dass wir die Rate der falsch-positiven Ergebnisse senken müssen." Dafür greifen die Wissenschaftler nun auf die Blutproben der Studienteilnehmer zurück. Das Ziel ist es, darin Biomarker zu identifizieren, die bereits frühzeitig auf Lungenkrebs hinweisen. In Kombination mit der MSCT könnten dadurch zuverlässigere Befunde erstellt werden.

N. Becker, E. Motsch, M.-L. Gros, A. Eigentopf, C. P. Heussel, H. Dienemann, P. A. Schnabel, L. Pilz, M. Eichinger, D.-E. Optazaite, M. Puderbach, J. Tremper und S. Delorme: Randomized study on early detection of lung cancer with MSCT in Germany: study design and results of the first screening round. J Cancer Res Clin Oncol 2012, DOI: 10.1007/s00432-012-1228-9

Krebsstammzellen als Schlüssel für individuelle Tumortherapie

Bund fördert Forschungsprogramm zum Identifizieren von Tumorzellen auf molekularer Ebene

Mit insgesamt 3,1 Millionen Euro für zunächst fünf Jahre fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Nachwuchsgruppe „Biomarker für die individualisierte Radioonkologie“ am „OncoRay – gemeinsames Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie“, das die Medizinische Fakultät sowie das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HDZR) initiiert haben. Mit der Förderung der Nachwuchsgruppe unterstreicht das BMBF die großen Erwartungen, welche die öffentliche Hand in die ehrgeizige Forschungsplattform OncoRay setzt. Die Nachwuchsgruppe hat ihre Arbeit zunächst im bisherigen OncoRay-Forschungsgebäude aufgenommen – doch der Platzbedarf wird steigen. Das Richtfest für das neue Forschungsgebäude am 15. Mai ist ein wesentlicher Schritt zur Lösung dieses auch für weitere OncoRay-Gruppen bestehenden Raumproblems. Der neue Gebäudekomplex und die technische Infrastruktur mit Gesamtkosten von über 160 Millionen Euro werden vor allem durch die Europäische Union, Bund und Freistaat Sachsen im Rahmen der Landesexzellenzinitiative sowie den Trägern des OncoRay finanziert. Kernstück des Neubaus ist eine Protonentherapieanlage.

Die von der 38-jährigen Professorin Anna Dubrovska geleitete Nachwuchsgruppe „Biomarker für die individualisierte Radioonkologie“ wird nach Abschluss der Bauarbeiten Anfang 2014 in das neue Forschungsgebäude einziehen. Hier steht ihr und weiteren Forschungsteams dann eine optimale Infrastruktur für ihre wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung. Die Ziele von Prof. Dubrovska sind ehrgeizig: Sie will spezifische biologische Marker auf molekularer Ebene finden, um Krebsstammzellen treffsicher und eindeutig identifizieren zu können. „Diese besonderen Zellen kommen in Tumoren vor und haben typische Stammzelleigenschaften – wie beispielsweise Selbsterneuerung und Differenzierungspotenzial“, erklärt die Genetikerin. „Nach unseren Erkenntnissen sind sie gegenüber verschiedenen Therapien sehr widerstandsfähig und könnten für das Tumorwachstum maßgeblich verantwortlich sein.“

Anna Dubrovska studierte Genetik in Kiew (Ukraine), promovierte dort und setzte dann ihre wissenschaftliche Arbeit an renommierten Instituten in Schweden und den USA fort. Die Ergebnisse der Forschungs-Nachwuchsgruppe sollen die Basis zur Entwicklung von Medikamente bilden, mit denen sich ganz gezielt und in Kombination mit anderen onkologischen Therapien diese Krebsstammzellen abtöten lassen. Die Tumorstammzell-spezifischen Biomarker sollen perspektivisch auch eine Voraussage zulassen, wie jeweilige Tumoren auf eine Strahlentherapie und innovative Medikamente ansprechen. Damit würden die Biomarker auch zu individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Behandlungsstrategien beitragen.

Weitere Informationen
www.unternehmen-region.de/de/6258.php
www.hzdr.de/db/Cms?pNid=265
www.uniklinikum-dresden.de