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17.07.10

Säuglinge mit verkürztem Zungenband


Zu kurzes Zungenband macht Stillen zur Qual


Wenn Babys Probleme haben, an der Mutterbrust zu trinken, ist möglicherweise ein verkürztes Zungenbändchen die Ursache. Darauf macht die Vorsitzende der österreichischen Stillkommission, Beate Pietschnig, anlässlich aktueller Studienergebnisse aufmerksam. Das Problem sei leicht zu behandeln, werde aber oft nicht oder erst spät erkannt.

Betroffene Kinder können nicht richtig trinken

Ein zu kurzes Zungenbändchen macht es dem Baby unmöglich, die Zunge über die Unterkieferleiste herauszustrecken. "Deshalb kann es Brustwarze und Warzenhof nicht voll fassen", erklärt Pietschnig. Das Zungenbändchen ist eine dünne Haut zwischen Zunge und Mundboden. Dieses blut- und nervenarme Gewebe ist bei rund vier Prozent der Neugeborenen verkürzt. Etwa jedes Zweite der betroffenen Kinder schafft es nicht, die Muttermilch mit der Zunge in massierenden Bewegungen aus der Brust herauszudrücken, wie andere Babys es automatisch tun. Auch für die Mutter ist das problematisch, weil das Stillen für sie dadurch schmerzhaft wird.

Das droht einen regelrechten Teufelskreis auszulösen: Bereitet das Stillen der Mutter Schmerzen und Angst, drosselt das die Ausschüttung der zum Stillen nötigen Hormone und somit auch die Milchproduktion. Die Kinder werden unruhig und unzufrieden, trinken öfter und länger und nehmen trotzdem nicht ausreichend an Gewicht zu. Das zeigt eine aktuelle Fallstudie der Universität Florida in der Zeitschrift "Pediatrics". Studienleiterin Sandra Sullivan berichtet von einem sechsmonatigen Baby, dessen Mutter es wie die allgemeine Empfehlung lautet, immer gestillt hatte. Doch weil es aufgrund des verkürzten Zungenbändchens nicht richtig trinken konnte, wog es nach sechs Monaten weniger als bei der Geburt und kam ins Krankenhaus. Dort wurde das Zungenbändchen behandelt. Das Kind konnte sofort trinken und legte schnell ordentlich an Gewicht zu.

Behandlung unproblematisch

"Die Behandlung selbst ist unproblematisch", sagt die Stillexpertin Pietschnig. In Sekunden löst der Arzt mit Skalpell oder Schere das verkürzte Bändchen. Das bereite den Babys kaum Schmerzen, da das Häutchen umempfindlich sei. Bis zum vierten Monat sei deshalb auch keine Narkose nötig. Die Heilung im Mundbereich verläuft zudem besonders schnell. Nach der Behandlung können die Babys auch sofort angelegt werden und trinken gleich mühelos.

Es kommt also vor allem darauf an, dass das Problem früh erkannt wird, denn das verkürzte Zungenbändchen sei ein Exotenthema, sagen die Experten. Kinderärzte sehen es oft nicht als Problem an, da sie die Auswirkungen nicht in vollem Umfang wahrnehmen. In der Neugeborenen-Untersuchung im Krankenhaus ist der Blick unter die Zunge zudem nicht vorgeschrieben. Umso wichtiger ist es, dass Stillberaterinnen und Eltern von Kindern mit Trinkschwierigkeiten über das mögliche Problem Bescheid wissen.

 

Einen Kinderarzt in Ihrer Nähe finden Sie übrigens bei der Öffnet externen Link in neuem FensterDeutschen Medizinerauskunft! (Kinderarzt, Kinder- und Jugendmedizin)




Quelle: apotheken.de / Stefanie Grutsch, 15.07.2010