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22.07.10

Stallstaub schützt vor Allergie


Warum Landkinder seltener Heuschnupfen bekommen


Bochumer Forscher haben im Stallstaub den Stoff entdeckt, der Landkinder wahrscheinlich vor Allergien und allergischem Asthma schützt: ein pflanzliches Zuckermolekül im Staub ist für die viel diskutierte "Abhärtung" verantwortlich. Es hindert das Immunsystem an überschießenden Abwehrreaktionen, wenn Kinder es im ersten Lebensjahr in hoher Konzentration einatmen.

Die Stecknadel im Heuhaufen

"Die Suche nach der schützenden Substanz war wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen", sagt Dr. Marcus Peters von der Uni Bochum. Er und sein Team untersuchten Stallstaub von verschiedenen Bauernhöfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um das Geheimnis zu lüften. Es zeigte sich, dass der Stallstaub hauptsächlich aus pflanzlichen Bestandteilen besteht, darunter mehr als zehn Prozent des Zuckermoleküls mit dem Namen Arabinogalaktan. Es war schnell der Hauptverdächtige der Forscher.

Immunreaktion gedämpft

Sie prüften deshalb, wie sich das Immunsystem gegenüber möglichen allergieauslösenden Stoffen verhält, wenn Arabinogalaktan-Moleküle anwesend sind. Die Forscher entdeckten, dass dann ein bestimmter Botenstoff auftritt, der die Immunreaktion dämpft. "Die Abschwächung der Immunreaktion auf diesem Wege ist uns nicht neu", sagt Peters. "Auch manche Krankheitserreger machen sich den Mechanismus zunutze, um die Immunantwort abzuschwächen." Durch Arabinogalaktan werde aber nur die übersteigerte Wachsamkeit des Immunsystems gegen eigentlich harmlose Stoffe, wie sie bei Allergien auftritt, verhindert. Die Abwehr von Krankheitserregern funktioniere weiterhin normal.

Ob sich das Arabinogalaktan gezielt zur Vorbeugung oder auch zur Therapie von Allergien und allergischem Asthma einsetzen lässt, wollen die Forscher jetzt untersuchen. Denkbar sei eine Anwendung als Spray oder Nasentropfen, da die Substanz gut wasserlöslich ist.




Quelle: apotheken.de / Stefanie Grutsch, 20.07.2010