Wer an Diabetes oder der Bluterkrankheit leidet, ist längst abhängig von Bakterien, die lebenswichtige Medikamente produzieren. Jetzt können auch Patienten, die im Alter erblinden, auf ungewöhnliche Hilfe hoffen: gentechnisch verändertes Moos.
Zu wenig Faktor macht blind
In Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen an altersabhängiger Makuladegeneration (AMD). Betroffene sehen zunächst unscharf und nehmen Linien wellig oder verzerrt wahr. Im weiteren Verlauf der Erkrankung bildet sich in der Mitte ihres Sichtfelds ein grauer Fleck, der immer größer wird. Schuld an dem voranschreitenden Sehverlust ist der Faktor H, ein wichtiges Eiweiß des Immunsystems. Vor allem das Blut von älteren Menschen enthält oft zu wenig davon, sodass meist über 50-Jährige an AMD erkranken.
Medizin aus fünf Millimeter Moos
Was ältere Menschen nicht mehr schaffen, soll jetzt das unscheinbare fünf Millimeter kleine Blasenmützenmoos übernehmen. Forschern der Universität Freiburg gelang es erstmals – mit ein paar genetischen Tricks – das Moos so zu verändern, dass es genau diesen Faktor H herstellt, der Patienten mit AMD so dringend fehlt. Laut der Studie ist der gewonnene Faktor biologisch voll funktionstüchtig. Das eröffnet die Möglichkeit, künftig AMD mit Medizin aus Moos zu verhindern.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse erhalten Patienten mit AMD heute noch keine Moos-Medizin in der Apotheke. Derzeit stehen nur in Freiburg Bioreaktoren mit Mooskulturen, die den Faktor H ausschließlich für Forschungszwecke produzieren. Die Wissenschaftler hoffen jedoch, dass große Unternehmen die Moos-Medizin in klinischen Studien am Menschen testen werden, um bald alle Patienten mit Faktor H zu versorgen. Auch für andere Erkrankungen könnte der Moos-Bioreaktor künftig Medikamente liefern.
Quelle: apotheken.de / Julia Ehmer, 27.07.2010