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Fachgebiet Chirurgie



Fachrichtung Allgemeine Chirurgie

Chirurgie. Foto: © Michael Bührke / pixelio.de

Der Allgemeinchirurg operiert oder entfernt bei Krankheit oder akuten Verletzungen Organe (und Teile davon), Wucherungen und Fremdkörper und führt Implantationen durch. Die meisten Eingriffe werden - wenn möglich - minimalinvasiv durchgeführt, das heißt, ohne größere Schnitte. Im Bereich der Chirurgie wird sich jedoch fast immer auf einen Bereich spezialisiert. So gibt es unterschiedliche Chirurgen für den Bauchbereich (Viszeralchirurgie) oder Brustbereich (Thoraxchirurgie). Ebenso gibt es Kinderchirurgen, Gefäßchirurgen, Herzchirurgen und Unfallchirurgen.

Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine sechsjährige Weiterbildung, wovon vier Jahre an einer Weiterbildungsstätte absolviert werden. Vorher jedoch steht eine zweijährige Basisweiterbildung in Chirurgie an.

Die Jahre an der Weiterbildungsstätte teilen sich folgendermaßen:

  • ein Jahr Orthopädie und Unfallchirurgie
  • ein Jahr Viszeralchirurgie
  • zwei Jahre wahlweise in diesen oder anderen Facharztbereichen der Chirurgie



Fachrichtungsbezeichnung "Chirurgie"

Die bisherige Fachrichtungsbezeichnung "Chirurgie" wird in einigen Bundesländern nach neuer Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer nicht mehr vergeben, sie wurde durch die Fachrichtungsbezeichnung "Allgemeine Chirurgie" ersetzt.




Fachrichtung Gefäßchirurgie


Der Gefäßchirurg behandelt alle Arten von Gefäßerkrankungen, wie beispielsweise Gefäßverschlüsse und -verengungen (welche meist per Katheter wieder geweitet werden), Verletzungen an Arterien, Krampfadern oder Erkrankungen der Lymphgefäße. Im Bereich der Arterien sind die häufigsten Probleme Verkalkungen, die zum Schlaganfall führen können.

Mittlerweile wird häufig versucht, Gefäßerkrankungen ganz ohne Operation zu heilen oder zumindest die unumgänglichen Operationen minimalinvasiv, also ohne große Schnitte, durchzuführen.

Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Gefäßchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine sechsjährige Weiterbildung. Davon sind zwei Jahre Basisweiterbildung im Bereich der Chirurgie. Die restlichen vier Jahre im Bereich der Gefäßchirurgie werden an einer Weiterbildungsstätte verbracht.




Anatomische Herzdarstellung, die per
Laserverfahren in einen Glasblock
gelasert wurde.
Foto: © Jens Goetzke / pixelio.de

Fachrichtung Herzchirurgie

Das Gebiet des Herzchirurgen sind Krankheiten und Verletzungen des Herzens. Vor einer Operation wählt er, unter Berücksichtigung aller Risiken und Heilungschancen, die für den jeweiligen Patienten geeignete Operationstechnik aus.

Er behandelt angeborene Herzerkrankungen, Verletzungen oder Tumore und führt Implantationen (z.B. Herzschrittmacher) und Transplantationen (Herz, Teile des Herzens) durch. Der häufigste Eingriff im Bereich der Herzchirurgie ist der Koronararterien-Bypass, wenn eine Verengung der Hauptschlagader vorliegt.

Nach der Operation bespricht der Herzchirurg mit dem Patienten die einzunehmenden Medikamente, Nachuntersuchungen und eventuelle Änderungen des Lebensstils (wie viel Sport, Rauchen, körperliche Arbeit etc.). Die Herzchirurgie arbeitet eng mit der Kardiologie zusammen.

Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Herzchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine sechsjährige Weiterbildung. Davon sind zwei Jahre Basisweiterbildung im Bereich der Chirurgie. Die restlichen vier Jahre im Bereich der Herzchirurgie werden an einer Weiterbildungsstätte verbracht.




Fachrichtung Kinderchirurgie

Der Kinderchirurg behandelt Kinder von der Geburt (Neugeborene ab 600g) bis etwa zum 16. Lebensjahr. Sein Bereich sind angeborene Fehlbildungen und Krankheiten, die ausschließlich bei Kindern auftreten oder anders als bei Erwachsenen behandelt werden müssen. Er benutzt kleinere Instrumente als der Erwachsenenchirurg und ist damit bestens auf die kleineren Organe vorbereitet.

In der Kinderchirurgie geht es hauptsächlich um rekonstruktive Chirurgie, was bedeutet, dass die Funktion des zu behandelnden Körperteils oder Organs wieder hergestellt werden soll. Die Kinderchirurgie arbeitet eng mit der Pädiatrie zusammen. Auch können Neugeborenenspezialisten und Geburtshelfer zu Rate gezogen werden.


Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine sechsjährige Weiterbildung. Davon sind zwei Jahre Basisweiterbildung im Bereich der Chirurgie. Die restlichen vier Jahre im Bereich der Kinderchirurgie und Kinder- und Jugendmedizin (12 Monate) werden an einer Weiterbildungsstätte verbracht. Weiterhin müssen verschiedene, durchgeführte Operationen nachgewiesen werden.




Fachrichtung Plastische und Ästhetische Chirurgie

Der plastisch-ästhetische Chirurg ist zuständig für die Wiederherstellung von veränderten Körperteilen, sowohl aus funktionellen, als auch aus kosmetischen Gründen. Diese Veränderungen können angeboren, altersbedingt oder durch Krankheit oder Unfall verursacht sein.

Die plastische Chirurgie setzt sich aus vier Hauptrichtungen zusammen:

  • Ästhetische Chirurgie: So genannte "Schönheitsoperationen" wie Fettabsaugen, Brustoperationen etc., die auf Verlangen des Patienten durchgeführt werden und medizinisch nicht notwendig sind. Hier sollte der Chirurg sich viel Zeit für Gespräche mit dem Patienten nehmen, da tiefer gehende, psychische Probleme vorhanden sein können und unsicheren Menschen ausschließlich mit einer Operation nicht geholfen werden kann. Die Kosten für rein kosmetische Eingriffe werden von den Krankenkassen nicht getragen. Der Preis richtet sich nach Schwierigkeit und Dauer der OP. Auch kosmetische Eingriffe sind "echte" Operationen, bei denen Komplikationen auftreten können!


  • Rekonstruktive Chirurgie: Hierunter versteht man die Wiederherstellung abhanden gekommener Körperfunktionen durch angeborene Fehlbildungen, nach Tumoroperationen oder durch Verletzungen oder Unfälle. Ebenso geht es um die Erhaltung abgetrennter Gliedmaße, wobei mit mikrochirurgischen Verfahren Muskeln, Sehnen, Nerven und Blutgefäße wieder aneinandergefügt werden oder Gewebe transplantiert wird. Auch der Wiederaufbau der Brust nach einer Krebsoperation fällt in diesen Bereich.


  • Verbrennungschirurgie: Hier geht es um die Behandlung von Verbrennungen und deren Folgen. In der Verbrennungschirurgie kommen auch Teile der rekonstruktiven Chirurgie zum Einsatz, wie beispielsweise die Transplantation von Gewebeteilen bei Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Gerade in ständig sichtbaren Bereichen, wie Gesicht und Hände, wird nicht nur versucht, die Funktionalität der Körperteile wieder herzustellen, sondern auch, die Ästhetik nicht außer Acht zu lassen.


  • Handchirurgie: Der Schwerpunkt der Handchirurgie liegt in der Behandlung von Verletzungen, Erkrankungen und Fehlbildungen der Hände. Da die Hände äußerst komplex in Aufbau und Funktion sind, ist die Handchirurgie ein eigener Bereich. Hier wird auf Grund der feinen Gefäße, Nerven und Sehnen - wie auch in der rekonstruktiven Chirurgie - mikrochirurgisch gearbeitet.



Nur der Begriff "Facharzt für Ästhetisch-Plastische Chirurgie" ist eine geschützte Facharztbezeichnung, die nach unten genannter Weiterbildung erworben werden kann. Begriffe wie "Schönheitschirurg" oder "kosmetischer Chirurg" sind nicht geschützt, und setzen keine Ausbildung voraus!


Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie


Nach dem Medizinstudium muss eine sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie absolviert werden. Dazu müssen auch zahlreiche Operationen (etwa 600) unter Aufsicht eines Plastischen Chirurgen durchgeführt werden.

Für Hals-Nasen-Ohrenärzte und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen gibt es die Zusatzausbildung "Plastische Operationen". Diese Operationen dürfen natürlich nur im entsprechenden Fachgebiet durchgeführt werden.

Fachrichtungsbezeichnung "Plastische Chirurgie"
Die bisherige Fachrichtungsbezeichnung "Plastische Chirurgie" wird in einigen Bundesländern nach neuer Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer nicht mehr vergeben, sie wurde durch die Fachrichtungsbezeichnung "Plastische und Ästhetische Chirurgie" ersetzt.




Fachrichtung Thoraxchirurgie

Der Bereich des Thoraxchirurgen ist die Behandlung von Verletzungen, Fehlbildungen und Erkrankungen der Organe innerhalb des Brustraumes. Hauptsächlich operiert er an Lunge, Bronchien, Luftröhre und Mittelfell.

In schweren Fällen wird auch eine Lungentransplantation durchgeführt. Auch werden Gewebeproben für weitere Untersuchungen im Labor entnommen. Dieser und einige andere Eingriffe können mittlerweile endoskopisch, also ohne größere Schnitte durchgeführt werden. Der Thoraxchirurg operiert ebenso bei Krebsbefall der Lunge, wobei Metastasen oder Teile der Lunge (bei Raucherkrebs) entfernt werden.


Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Thoraxchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine sechsjährige Weiterbildung. Davon sind zwei Jahre Basisweiterbildung im Bereich der Chirurgie. Die restlichen vier Jahre im Bereich der Thoraxchirurgie werden an einer Weiterbildungsstätte verbracht.




Fachrichtung Viszeralchirurgie

Der Viszeralchirurg befasst sich mit der Behandlung aller Erkrankungen, die die Verdauungsorgane von der Speiseröhre bis hin zum Darmausgang, die hormonbildenden Drüsen (Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere, Bauchspeicheldrüse), Milz, Leber, Galle oder die Brustdrüse betreffen. Ebenso behandelt er Tumorleiden, die in diesen Bereichen vorliegen. Die Viszeralchirurgie wird auch „Bauchchirurgie“ genannt.


Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine sechsjährige Weiterbildung. Davon sind zwei Jahre Basisweiterbildung im Bereich der Chirurgie. Die restlichen vier Jahre im Bereich der Viszeralchirurgie werden an einer Weiterbildungsstätte verbracht.




Modell einer Wirbelsäule.
Foto: © strichcode / pixelio.de

Fachrichtung Orthopädie und Unfallchirurgie

Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie befasst sich mit angeborenen und erworbenen Veränderungen, Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie mit der Erstversorgung und Behandlung von Schwer- und teilweise Mehrfachverletzten.

Gerade im Kindesalter ist es wichtig, Haltungsstörungen zu erkennen und Spätfolgen zu vermeiden, da es auch Anliegen des Arztes ist, Operationen zu vermeiden, wobei Sport einen wichtigen Bestandteil darstellt. Viele Haltungs- und Bewegungsstörungen können bei früher Erkennung auch ohne OP (zum Beispiel durch Physiotherapie) korrigiert werden.

Im Bereich der Notfallbehandlung ist meist schnelles Handeln notwendig, daher ist auch Wissen im Bereich Anästhesie erforderlich, um unnötige Wartezeiten auf andere Fachärzte zu vermeiden. Die zu behandelnden Verletzungen erstrecken sich von Knochenbrüchen, Muskel- und Bänderverletzungen bis hin zu Verletzungen von Gehirn, Rückenmark oder inneren Organen.

Des Weiteren werden zur Diagnose verschiedene bildgebende Verfahren (siehe auch Menüpunkt "Bildgebende Diagnosemethoden"), wie zum Beispiel Computertomografie, Röntgen, MRT oder Gelenkspiegelungen hinzugezogen.

Die weiterführenden Therapien sind, je nach Krankheitsbild, sehr vielfältig. Sie bestehen beispielsweise aus Massagen, Gymnastik, Bandagen oder Orthesen, Schienen und Gipsverbänden, Elektrotherapie und vielen anderen Möglichkeiten.


Aus- und Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Auf das Medizinstudium folgt eine zweijährige Basisweiterbildung im Bereich Chirurgie und eine vierjährige Weiterbildung an einer Weiterbildungsstätte zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Fachrichtungsbezeichnung "Orthopädie" und Schwerpunktbezeichnung "Rheumatologie"

Die bisherige Fachrichtungsbezeichnung "Orthopädie" wird seit 2005 in einigen Bundesländern nach neuer Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer nicht mehr vergeben, sie wurde durch die Fachrichtungsbezeichnung "Orthopädie und Unfallchirurgie" ersetzt. Auch die Schwerpunktbezeichnung "Rheumatologie" (Diagnose und Therapie von chronischen Krankheiten, die sich durch Schmerzen der Gelenke auszeichnen) wird in dieser Fachrichtung nicht mehr vergeben.

Schwerpunkte innerhalb des Fachgebietes Chirurgie

Folgende Schwerpunktbezeichnungen werden in einigen Bundesländern nach neuer Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer innerhalb des Fachgebietes Chirurgie nicht mehr als Schwerpunktbezeichung vergeben:

  • Echokardiologie herznaher Gefäße
  • Gefäßchirurgie
  • Herz- und Gefäßchirurgie
  • Kinderchirurgie
  • Plastische Chirurgie
  • Thorax- und Kardiovaskularchirurgie
  • Thoraxchirurgie
  • Unfallchirurgie
  • Viszeralchirurgie




 

Redaktion Deutsche Medizinerauskunft, Datum der letzten Änderung: 30. März 2009