Fachrichtung Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Gynäkologie)
Das Gebiet des Facharztes für Frauenheilkunde und Geburtshilfe erstreckt sich über Erkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes und der Brust bis hin zur Geburtshilfe. Er gibt Rat in Sachen Familienplanung, Sex und Wechseljahren und ist der von Frauen am häufigsten besuchte Arzt. In der Schwangerschaftsvorsorge ist er der wichtigste Ansprechpartner und bietet auch häufig zusätzliche Untersuchungen an, die selbst gezahlt werden müssen (IGeL), wie z. B. 3D-Ultraschall.
Der Gynäkologe verschreibt nach gründlicher Untersuchung Verhütungsmittel (Pille, Pflaster, …) oder setzt diese ein (Vaginalring, Spirale, …). Häufige Besucher sind auch Frauen in den Wechseljahren, denn nur etwa ein Drittel von ihnen ist völlig beschwerdefrei. Hormone werden heutzutage allerdings nur noch in niedriger Dosierung und nicht länger als nötig verschrieben, da sie zwar effektiv sind, aber dennoch Risiken (Thrombose- und Schlaganfallgefahr u. a.) mit sich bringen.
Der erste Besuch beim Frauenarzt sollte - falls vorher keine Beschwerden auftauchen - stattfinden, wenn die erste Periode auftritt oder es um Verhütung geht.
Therapie- und Diagnosemethoden
Zu den am häufigsten angewandten Diagnosemethoden zählen Ultraschall, Tastuntersuchungen und Abstriche. Beim Ultraschall erkennt der Arzt Veränderungen in der Gebärmutterstruktur, die Zyklusphase und andere Auffälligkeiten, die eventuell schon beim Abtasten "erfühlt" wurden. Beim bimanuellen Abtasten führt der Arzt einen oder zwei Finger ein und drückt mit der anderen Hand gegen den Bauch. So stellt er Größe, Lage und Veränderungen der Eierstöcke oder der Gebärmutter fest.
Weiterbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Nach dem Medizinstudium erfolgt die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Hiervon werden drei Jahre im Stationsdienst und zwei Jahre bei einem niedergelassenen Arzt verbracht. Um sich letztendlich zur Facharztprüfung anmelden zu können, muss der Arzt einen OP-Katalog und selbst durchgeführte, diagnostische Verfahren nachweisen können. In einigen Bundesländern wird zusätzlich noch eine 80-stündige Weiterbildung im Bereich der Psychosomatischen Grundversorgung verlangt.
Schwerpunkte im Bereich Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Hier liegt das Augenmerk auf Diagnose und Behandlung von hormonabhängigen Erkrankungen der Frau (Endokrinologie) und medizinischen Problemen in Sachen Fortpflanzung sowie natürliche und künstliche Befruchtung (Reproduktionsmedizin).
Weiterbildung: Drei Jahre an einer Weiterbildungsstätte, davon bis zu ein Jahr während der Facharztweiterbildung und zwei Jahre im ambulanten Bereich.
Gynäkologische Onkologie
In der Gynäkologischen Onkologie geht es um Krebserkrankungen bei Frauen (Brust, Gebärmutter u. a.) und deren Therapie.
Weiterbildung: Drei Jahre an einer Weiterbildungsstätte, davon bis zu ein Jahr während der Facharztweiterbildung und zwei Jahre im ambulanten Bereich.
Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
Die Perinatalperiode ist die Zeit von der 29. Schwangerschaftswoche bis zum 7. Tag nach der Geburt. In dieser Zeit wird das Ungeborene noch einmal auf Fehlbildungen untersucht und die werdende Mutter im Falle einer Risikoschwangerschaft speziell betreut. Auch leitet der so zusätzlich ausgebildete Gynäkologe Risikogeburten.
Weiterbildung: Drei Jahre an einer Weiterbildungsstätte, davon bis zu ein Jahr während der Facharztweiterbildung und zwei Jahre im ambulanten Bereich.
Redaktion Deutsche Medizinerauskunft, Datum der letzten Änderung: 30. März 2009