
Fast jeder Mensch kennt es, viele fürchten es. Wiederkehrende Kopfschmerzen oder uner-
trägliche Migräneanfälle gehören zu den häufigsten Beeinträchtigungen des gesundheitlichen Wohlbefindens überhaupt. Was aber verursacht Kopfschmerzen genau und wie kann man sie therapieren oder besser gleich dafür sorgen, dass sie weniger häufig und nicht in einem so starken Ausmaß auftreten?
Was schmerzt beim Kopfweh eigentlich genau?
Ständig (chronisch) oder episodenhaft auftretende Kopfschmerzen oder Migräne sind laut der Deutschen Schmerzhilfe e.V. in Deutschland überaus häufig, und durch zumindest leichte, oft aber auch mittelschwere Schmerzen, gekennzeichnet. Erweiterte oder verengte Blutgefässe oder Verspannungen verursachen die vermutlich weit überwiegende Zahl der in verschiedenen Variationen und Stärken vorkommenden Kopfschmerzen. Die Schmerzreize werden übertragen durch Nervenzellen in Blutgefäßen, Hirnhäuten, Schädeldecke sowie Hals- oder Nackenmuskulatur. Das Gehirn selbst enthält keine Schmerzrezeptoren und kann somit auch keinerlei Schmerz empfinden, das Schmerzzentrum allerdings, in dem alle Schmerzen verarbeitet werden, sitzt im Gehirn.
Arten und Unterformen und mögliche Auslöser von Kopfschmerzen und Migräne
Es gibt weit mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, jedoch lassen sich über 90% aller Kopfschmerzen den so genannten Spannungskopfschmerzen, der Migräne mit ihren Unterformen und den durch Medikamentengebrauch hervorgerufenen Kopfschmerzen zuordnen. Außer bei letzteren sind die genauen Ursachen noch nicht eindeutig bekannt, jedoch können bei Spannungskopfschmerzen eine verspannte Nacken- und/oder Kaumuskulatur, fieberhafte Infekte und Stress als auslösende oder zumindest verstärkende Faktoren festgestellt werden. Für Migräne gelten Umweltfaktoren und Lebensstil als wesentliche Ursachen. Bei vielen Betroffenen kann sie durch spezielle Situationen oder Substanzen, die so genannten „Trigger“ ausgelöst werden. Typische Trigger können beispielsweise hormonelle Schwankungen, übermäßiger Nikotinkonsum, Ernährungsfaktoren, zu viel oder zu wenig Schlaf, aber auch ein sehr unregelmäßiger Schlafrhythmus, oder auch Stress sein. Zur Vermeidung von Kopfschmerzen ist auch ein ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt besonders wichtig. Deshalb trinken Sie immer ausreichend viel! Dies lässt sich übrigens ganz einfach an der Farbe des Urins erkennen: Eine klare Farbe deutet auf genügend Flüssigkeitszufuhr hin, je dunkler der Urin ist, desto mehr sollten Sie zusätzlich zu ihrer üblichen Tagesmenge trinken. Am besten natürlich Mineralwasser oder ungesüßten Tee.
Was Sie bei ständigen Kopfschmerzen oder häufigen Migräneanfällen unbedingt beachten sollten
Sowohl Spannungskopfschmerzen, als auch Migräne – und damit die überwiegende Zahl aller Kopfschmerzfälle – zählen zu den so genannten "primären Kopfschmerzerkrankungen". Das bedeutet, dass der Schmerz selbst die Erkrankung darstellt und nicht offensichtliche Folge anderer organischer Erkrankungen ist. Nur die große Minderzahl der Kopfschmerzpatienten weist eine ernsthafte oder lebensbedrohliche Grunderkrankung auf! Dennoch sollten Sie im Zweifellsfall immer einen Arzt aufsuchen; um etwa Hirntraumata oder Hirntumore ausschließen zu können, speziell dann, wenn Sie neben den Kopfschmerzen weitere Symptome bemerken. Dazu gehören z. B. Übelkeit/Erbrechen, Probleme beim Sehen (z. B. Verengung des Gesichtsfelds), Lähmungserscheinungen oder auch auffällige psychische Veränderungen.
(Lesen Sie demnächst an dieser Stelle: -> Die Deutsche Hirntumorhilfe e.V.)
Diagnostik und Therapie bei primären Kopfschmerzerkrankungen
Dass sie oder er unter Kopfschmerzen leidet, weiß jeder Betroffene sehr genau, aber welche Form von Kopfschmerzen vorliegt, kann oftmals letztgültig nur mit Hilfe des Arztes abgeklärt werden, welchem ein weites Instrumentarium an Diagnosemitteln zur Verfügung steht. Die genaue „Anamnese“ (die Vorgeschichte eines Patienten in Bezug auf seine aktuellen Beschwerden) ist dabei, neben Ausschlussverfahren und gegebenenfalls weiterführenden hausärztlichen oder neurologischen Untersuchungen, eine der wichtigsten Möglichkeiten, die genaue Art der Kopfschmerzerkrankung zu bestimmen und anschließend erfolgreich zu behandeln.
Leider unterliegen viele Betroffene einem zweifachen Irrglauben: Zunächst einmal nehmen sie an, dass sie ihre Kopfschmerzen sowieso ertragen müssen und versäumen es, einen Arzt aufzusuchen, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass sich ihre Schmerzen oder Migräneanfälle verstärken bzw. häufen. Des Weiteren therapieren sie ihre Kopfschmerzen oftmals selbst, zu häufig durch die Einnahmen von frei verkäuflichen Tabletten über einen zu langen Zeitraum. Werden Schmerzmittel jedoch zu häufig eingesetzt, kann es zu einem so genannten „medikamenteninduzierten“ Kopfschmerz kommen, das heißt, dass die ursprünglich gegen den Kopfschmerz gedachte Wirkung der Tabletten sich in das krasse Gegenteil verwandelt. Deshalb sollten Medikamente gegen Kopfschmerzen nicht länger als drei Tage hintereinander und höchstens an zehn Tagen im Monat eingenommen werden! Auch alternative Therapieformen sollten grundsätzlich nicht ohne ausdrücklichen ärztlichen oder apothekerischen Rat ausprobiert werden, da sie zumeist unnütz, manchmal sogar schädlich sein können.
-> Bundesweite Suche nach Hausärzten, Neurologen und allen anderen Medizinern
Stress: einer der wichtigsten Gründe für Kopfschmerzen/Migräne
Der Begriff "Stress" entstammt der Geologie und wurde später auch in der Werkstoffkunde allgemein für den Zustand eines Materials verwendet, das unter Zug oder Druck steht. Vor gut 70 Jahren wurde der Begriff in die Psychologie eingeführt, um die Reaktion von Menschen auf Belastung zu beschreiben. Diese Belastungen können psychischer wie physischer Natur sein. Neben anderen Stressmerkmalen und Stresserkrankungen, beispielsweise Schlafstörungen, Suchterkrankungen und Depressivität, sind Kopfschmerzen und Migräne typische Auswirkungen körperlicher wie geistiger Dauerbelastung. Beispielsweise reagieren viele Menschen bei schnellem Wechsel der Wetterlage mit Kopfschmerzen. Gerade im Herbst folgt einem Hoch mit angenehmen Temperaturen um 20 Grad oft ein Tief, das weit kältere Luft mit sich bringt. Die Folge sind Temperaturunterschiede von 10 Grad und mehr innerhalb kurzer Zeit, was den Körper gerade sehr wetterfühliger Menschen stark stresst und schließlich zu Kopfschmerzen führt. Höchstwahrscheinlich sind es Anpassungsprobleme der Blutgefäße im Kopf, die sich nur schwer an veränderte Umweltbedingungen (Temperatur, Luftdruck usw.) gewöhnen können, welche den Schmerz letztlich auslösen. Allerdings lassen sich die Gefäße trainieren: Ausdauersport und ein häufiger Aufenthalt im Freien gelten als gute Präventionsmaßnahmen gegen wetterbedingte Kopfschmerzen. Auch gegen andere Stressformen, z. B. Reizüberflutung im (beruflichen) Alltag oder Termindruck, bieten aktive Formen der „Entstressung“ die beste Vorbeugung und Bewältigung. Dabei ist es wichtig, Freizeit- und Erholungsaktivitäten richtig zu dosieren und weder zu übertreiben, was erneuten Stress auslöst, noch durch zu große Passivität Körper und Geist das nötige Training gegen Stress vorzuenthalten.
(Lesen Sie mehr: Stress - Reif für die Insel)
Datum der letzten Änderung: 14. September 2009, (Matthias Potysch)